25. Februar 2015  

AfD-wie ihn die Eule sieht

Die Glücklichen – aus Heft 3/2015

LuckeLuckeDa hat der Lucke aber Glück gehabt. Er wurde 1962 im Berliner Westen geboren, und seine Mama, eine Schuldirektorin, wusste, wovon sie sprach, als sie zu Luckes Vater sagte: »Heinz, oder wie du heißt, wir müssen hier weg, bevor der Berndi in die Schule kommt. Die schlagen ihn uns tot.«

Wenig später floh die Familie weit gen Westen – nach Neuss, wo die Menschen langsam im Denken und aus Faulheit gutmütig sind. So entging Bernd dem, was ihm bestimmt schien: den Schlägen, die dem Streber und Anscheißer zustehen, der Verachtung der Mädchen für diesen Wicht, der, wenn er gefragt wird, vor Aufregung mit dem Popo auf die Stuhlkante rutscht (man sehe Lucke bei Jauch!), und schließlich der Demütigung beim Abiball, wo alle soffen und hurten, Bernd aber vom Direx beauftragt war, nach Ende der Veranstaltung das Licht zu löschen und die Aula abzuschließen. Manchmal, wenn man ihn sieht – zum Beispiel, wie er nach seinem Karrieristen-Sieg auf dem AfD-Parteitag minutenlang synchron mit beiden Armen winkt, wie man es nur von Affen kennt, wünscht man sich, mit ihm in einer Schulklasse gewesen zu sein.

gaulandgaulandAlexander Eberhardt Gauland hat auch Glück gehabt, denn er wurde vor fast 75 Jahren als Herrenmensch geboren, im gediegenen Chemnitz- Kassberg, wo’s nicht nach Proleten roch. Das war ein Haushalt, in dem man nicht aß, sondern speiste und überm Pyjama Krawatte trug. Sein Vater, Polizeioberst, von den Nazis frühpensioniert, erschrak zunächst über das Gesicht der Leibesfrucht in warmen Tüchern, begriff aber sofort, dass hier nur Standesdünkel, sandfarbene Tweedjackets und die sogenannte humanistische Bildung was ausrichten können. Die Kommunisten, gesegnet mit gesundem Klasseninstinkt, wussten sofort, dass sie diesen Junker-Darsteller nicht auf Volkes Kosten studieren lassen würden. Und so wurde Graf Alex das, was er wurde, dort, wo man so was werden konnte: In seinen politisch schönsten Tagen als Verweser der hessischen Staatskanzlei war der Volljurist die bekannteste Intrigantenvisage des westdeutschen Politadels, bewundert dafür, wie er das beamtete Personal schikanierte und sich mit dreister Offensichtlichkeit einen Klüngel von national gesinnten Liebedienern hielt.

Er war solch ein ausgemachtes Ekel, dass er dem Schriftsteller Walser eine leichte Beute für seinen literarisierten Abscheu wurde, aber auch für seine Begeisterung – weil Fresse, Habitus und Charakter so kongenial zusammenpassten. Nach seinem Dienst am hessischen Geldbürgertum seiherte sich der Mann, beim Finanzamt registriert als »Publizist«, »Historiker« und »liberaler Denker«, in ein anderes Gewerbe. Folgerichtig sah die Taz in ihm eine »Geistesgröße«. Schließlich durfte auch der Herrenreiter Gauland ernten, was seine Klasse gesät hatte: In der besiegten Ostzone wurde er Chefideologe (also der Zensor) der einstigen Potsdamer SED-Zeitung. Damals lernte er aus den Leserbriefen der Genossen Bauern den Respekt vor der Fremden- und der Lebensangst der Ossis und gewann sie irgendwie richtig lieb, die ostdeutschen Mitläufer.

Er gründete mit Lucke die AfD und formuliert seither die unaussprechlichen Ängste des kleinen Mannes so gekonnt, dass noch keiner es wagte, ihn einen ausgemachten Nazi zu nennen: Das Domizil von Asylanten »hotelartig« zu nennen, die Abschiebung von Ausländern auch im Winter zu verlangen, für alles, was aus dem Nahen Osten anrückt, das Asylrecht restlos aufheben zu wollen, das Massaker an den Karikaturisten in Paris zu feiern, weil es den Spaziergängern von Dresden frische Gratis-Wut bescherte – so denkt doch kein Faschist, sondern ein »Vorzeigeintellektueller« (Die Zeit). Er ist ehrlich bis ins Mark, denn wozu sich verstellen? Die Einwanderung »von Leuten, die unserer kulturellen Tradition völlig fremd sind«, will er verhindern. Und zu der gehört eines nun mal nicht – Mitleid. Nicht mal mit der deutschen Grammatik.

PetryPetryDie AfD ist auch ein Glückskind. So eine wie Frauke Petry, mit so viel Frechheit und Neugier und Witterung und Tempo und Ausdauer und Fertilität und Pastorenehe und Mittelstandsschicksal (Privataudienz!) und Heimatgetue und Bundesverdienstkreuz gesegnet, wird einer Partei nicht oft geschenkt. Was haben denn die anderen? Die CDU hat die die wächserne Julia Klöckner. In der FDP gibt es eine XY mit langen Beinen. Die SPD hat Manuela Schwesig, das zu schnell gewachsene Schweriner Vorschulpüppchen mit der Frauenquotenpiepse. In der CSU darf Ilse Aigner um kein Pfund mehr dicker werden, um noch als »Kronprinzessin« und nicht als Milchbäuerin durchzugehen. Doch – Die Linke hat Sahra Wagenknecht! Mit der müsste die Revolution eigentlich siegreich sein. Aber die Genossen lassen sie nicht, weil sie ihnen zu klug, nicht feige genug und Gysi noch nicht Rentner ist.

Die AfD lässt Frauke Petry. Sie kann einen Parteitag voller grummelnder, grunzender Mittelstandsbäuche, aus deren Reihen hysterisch »Bürgerkrieg!« kreischende Oberlehrer und Ex-Offiziere aufspringen, befrieden. Sie ist knallharte Reaktionärin, sucht das Heil des ostdeutschen Kleinbürgertums dort, wo kein Licht am Tunnelende ist: im Völkischen, im Rassismus, im Wohlstandschauvinismus. Der Lucke, der die Pulloverchen seines Vaters aufträgt, ist der Petry nicht gewachsen, da kann die Satzung lauten, wie sie will. BWL-Professoren verspeist die Frauke langsam wie die Kobra das Kaninchen. Von der Petry heißt es, sie habe, Stunden bevor Pegida-Adolf Bachmann hingeschmissen hat, schon gewusst, dass er hingeschmissen hat. Da hatte sie ihn schon verdaut.

HenkelHenkelAuch Hans-Olaf Henkelkann sich glücklich schätzen. Die Forschung sagt, dass Leute, die langsam in ihrer eigenen Welt versinken, keineswegs unglücklich sind. Nur wir, die drum herum stehen, sagen, das kann doch nicht sein, dass der in die Ecke macht und nach der Mama ruft. Henkel ist, nachdem er sein Leben dem Gedeih der deutschen Wirtschaft gewidmet hat, dann ewig durchs Fernsehen mit seinen Hobbys und Ansichten geisterte, im Deutschlandfunk bei »Klassik, Pop, etc.« Till Brönner abspielen durfte und mutige Bücher der Abteilung »Deutschland masturbiert zu viel« schrieb, im Nirwana angekommen. Seine Kollegen im Europäischen Parlament beteuern, seine Kleidung sei noch immer leidlich korrekt. Nur beim Pudding kleckere er, aber nicht schlimm. Er plant einen Süd-Euro.

Fazit: Die AfD ist eine Glücks-Partei. Sie steckt voller Typen, die sich nach Herrschaft und Beherrschung sehnen. Zu ihren Parteitagen strömen bis zu tausend nicht mandatierte Delegierte, obwohl es keine Verpflegungsbeutel gibt, die Halle kalt ist und die Übernachtungskosten nicht erstattet werden. Sie kommen aus purer Lust, darüber zu palavern, wer wem unterstellt ist, wie die Berichts - pflicht geregelt wird und ob eine parteiinterne Grußformel eingeführt werden soll (vielleicht »Heil!«?). Die AfD wird nicht wie die Piraten enden.

Ihr Wählerreservoir ist rechts von Der Linken, ehemalige Linkswähler inklusive. (Brieflich soll Gauland Frau Wagenknecht schon eingeladen haben, gemeinsame Sache zu machen, Henkel telegrafierte daraufhin: »Lieber Alexander, einer von uns beiden ist wahrscheinlich dement.«) Die stolzeste Reservearmee der AfD jedoch sind die Verschwörungstheoretiker. »Die sind zwar dumm«, sagt Gauland, »aber viele.« Jedenfalls viel, viel mehr, als von ihrer Sorte bisher in Sachsen auf der Straße waren.

Text: Mathias Wedel

 

 

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