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18. März 2014  

"Phantasie in Tarnfleckhose", von M. Wedel im "Eulenspiegel


Barbara HennigerBarbara HennigerWie eine Bombe, was sonst? Wie eine Bombe in den Freizeitpark Soltau oder aufs Tempelhofer Feld bei Frühlingssonne hat die Nachricht eingeschlagen, dass der vom deutschen Volke mehrheitlich verehrte Herr Bundespräsident dem Kriege nicht länger abhold sei, und zwar von jetzt auf gleich und ganz generell. Er scheint es plitzplautz gefunden zu haben – das Thema! Das Thema seiner Amtszeit, nach welchem die Subalternen im Bundespräsidialamt fiebrig und überstundig suchten wie andere nach dem Goldenen Vlies oder dem Bernsteinzimmer.

Bisher war Gauck wie ein Zwangsgestörter immer bei »Freiheit« hängengeblieben und hatte sich gerührt ans Herz gegriffen. Jetzt ist auch der Krieg gaucksche »Herzensangelegenheit«, vielleicht begleitet von seiner emphatischen Lieblingsformel: »Ich würde mich nicht mehr mögen, wenn ich das nicht mache.« Krieg und Freiheit zusammenzubringen wie die zwei Seiten einer Verwundetenmedaille, das ist im letzten halben Jahrtausend auch Bellizisten von geringerer Sophistik als Gauck gelungen. Aber hat er auf der ehemaligen Wehrkundetagung, die nun sicherlich bald wieder so heißen wird, wirklich »Krieg« gesagt? Ja, das hat er gesagt – als er in München die versammelte politische Klasse vom Hocker haute: Helm ab zum Gebet, weil nämlich der erste Weltkrieg hundert Jahre her ist!

So ein feines Jubiläum! Und so viele Tote! Und wie geschaffen, »die Debatte zu öffnen« und »ein gewaltiges gesellschaftliches Defizit« (Süddeutsche) aufzurufen: Krieg, Leute, ist mal wieder fällig, hatten wir nämlich lange nicht – ein Defizit, da haben wir was nachzuholen. Ab da hat der Präsident natürlich nicht nur nicht mehr »Krieg« gesagt, sondern den Krieg tunlichst vermieden. Gesagt hat er, was man immer sagt, solange noch nicht mobilgemacht ist: »militärischer Einsatz«, »verstärktes Engagement in Krisenregionen«, »entschiedenes, substanzielles Eingreifen« usw. Krieg sagen wir bitteschön erst wieder, wenn er, wie in Afghanistan, verloren ist und Tote in die Samtgemeinde schickt.

Wurde auch höchste Eisenbahn! Die langen Jahre ohne Feind sind dem deutschen Wesen in der Welt nicht gut bekommen. Der Deutsche ist als Tourist heute gefürchteter denn als Soldat der Waffen-SS. Zuletzt sah man den Deutschen über Jugoslawien mit Bomben hantieren, »ein zweites Auschwitz« (Fischer) verhindern. Dann wollten Schröder und Fischer schon keine Knarre mehr anfassen, die »Kriegsgründe« waren den Brionis nicht mehr fein genug; von Guttenberg machte den Krieg zu seinem persönlichen Honeymoon mit kugelsicherer Weste und feiner Dame in durchbrochener Wäsche, dann fiel auch noch die Wehrpflicht, und zwar dem allgemeinen Hedonismus zum Opfer. Mädchen übernahmen das Heer, Westerwelle wollte Gaddafis Blut nicht saufen, kicherte immerfort »nein, nein!«, als habe ihm Mutti eingebimst, er solle seine Unschuld bewahren. Eine »Kultur der militärischen Zurückhaltung« führte zu Spendengalas im Fernsehen für Länder, in die wir früher eingerückt wären, und unsere Helden bekamen nicht das Eiserne Kreuz, sondern die Goldene Henne.

Mit Kultur ist jetzt finito. Der silberne Herr Steinmeier mag sie nicht. Er hat die Kultur der militärischen Zurückhaltung jetzt mehrmals »in Folge« nicht gemocht und dabei seinen Vorgänger im Außenamt so ausdrücklich nicht benamst, dass dem der Hintern gebrannt haben muss von all diesen Tritten. Man wundert sich: Steinmeier ist doch Minister für Diplomatie und nicht für Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Nein, in erster Linie ist er Sozialdemokrat, und die Sozis haben, wenn der Kaiser rief, noch keinen Krieg ausgelassen.

Was da unter die Kulturförderung fiel, dieser handgestrickte Pazifismus, dieses »Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb«, war die pure Bequemlichkeit, wie wir sie auch von Leuten kennen, die partout »keine Arbeit« finden wollen. Das sind Leute, sagt Gauck, »die Deutschlands Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit zu verstecken«. Nur vor der Glotze hängen, Weltspiegel gucken und zu faul sein, in den Krieg zu ziehen! Und dem Hitler klammheimlich dankbar sein – dafür, dass der sich auf seine sehr spezielle Weise der Welt zugewandt hat, denn jetzt können sie den Krieg »benutzen«, um der Welt den Hintern zuzukehren. Dabei ist sie voller Feinde: Putin (Bolschewist), der Weißrusse, der Ukrainer, der Taliban, der Islamist.

Der schlimmste Feind jedoch ist die Verwerfung, besonders wenn sie in Horden auftaucht. Die Verwerfung ist infam, riecht übel und erwischt uns kalt: »Deutschland ist nicht geschützt vor den Verwerfungen unserer Zeit«, warnt der Präsident. Noch haben wir nicht eine Verwerfung gefangen genommen, aber wenn, dann schleppen wir sie vor ein Standgericht! Wem das zu poplig erscheint, den erinnert Joachim Gauck daran, dass wir in einer Welt leben, »in der sich der Einzelne so viel Vernichtungskraft kaufen kann wie früher nur Staaten«. So ein Einzelner ist zwar noch nie aufgetaucht, aber Aliens gibt es ja auch, ohne dass sie je einer zu Gesicht bekommen hat. Und wer steckt schon drin in Verrückten wie Mark Zuckerberg, Arnold Schwarzenegger oder Hellmuth Karasek?

Um die Frage, wo unser stehendes Heer als Erstes angreift, gab es in Meseberg, wo sich kürzlich das Kabinett zu Kaffee & Kuchen traf, einen kleinen, neckischen Disput. Frau von der Leyen hatte sich in Zentralafrika verliebt, da waren schon mal Bekannte von ihr im Urlaub gewesen, und das soll ein schönes grünes Land sein, und sehr zentral gelegen. Steinmeier war eher für Mali, weil dort sind schon die Franzosen, und die Kämpfer schicken schöne folkloristische Handarbeiten nach Hause. Gemeinsam guckte man im Internet nach, wie die Hauptstadt von Mali heißt, und ein Mitarbeiter flüsterte dem Minister zu, dass wir dort eine Botschaft haben.

Ob die Neger dort aber Malinesen, Malier oder Malinen heißen, konnte man noch nicht klären. Aber das kriegt man schon noch raus, bevor man einrückt. CDU-Fraktionschef Kauder hat sich dafür schon einen Spezialisten ausgeguckt – Horst Köhler, »der kennt Afrika wie kein Zweiter«, sagte er dem Spiegel. Köhler musste vor vier Jahren als Bundespräsident zurücktreten, weil er Krieg als Mittel zum Freihalten von Handelswegen und Rohstoffquellen ins Gespräch gebracht hatte. Verworfene Zeiten waren das damals, schrecklich! Sicherlich werden jetzt wieder einige Leute die Sorge um Deutschlands Platz in der Welt »mit der bekannten Rhetorik-Keule von der Militarisierung der deutschen Außenpolitik erschlagen«, mutmaßt die Süddeutsche Zeitung. Aber das »belegt ja gerade, wie verkümmert die Phantasie über die Wirkungsmöglichkeiten jenseits der eigenen Grenzen ist.«

Also, mehr Phantasie wagen, bitte! Und keine Abenteuer! Diesmal sind wir nicht so blöd und erfrieren im Schnee, nur weil der Führer nicht wusste, wie weit es bis Moskau ist.

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